Mare Baltikum Blog

Hier teilen die Reisespezialisten von Mare Baltikum persönliche Eindrücke, besondere Begegnungen und ihre Erfahrungen direkt vor Ort. Freuen Sie sich auf authentische Einblicke und inspirierende Geschichten.

Zwischen Ostsee, Jugendstil und Pink Soup

Eine Reise durch das Baltikum voller Erinnerungen, Genussmomente und überraschender Entdeckungen
 

Ankommen in Vilnius – wie ein zweites Zuhause

Sobald ich aus dem Flugzeug steige und den seit viel zu langer Zeit ersten Schritt auf baltischem Boden mache, fühle ich mich wieder wie zuhause. Gelandet sind wir in Vilnius, dem ersten Stopp unserer Reise durch Litauen und Lettland. 2018 habe ich in Riga, der Hauptstadt Lettlands gewohnt und bin viel durch alle drei baltischen Länder gereist. In Vilnius war ich seitdem nicht mehr, und obwohl sich in der Zeit viel geändert hat, hat es sich trotzdem sehr vertraut angefühlt. 


Das Baltikum als kulinarische Überraschung

Besonders überrascht hat mich in Vilnius (sowie im ganzen Baltikum) die unglaublich spannende Restaurantszene. Viele baltische Köche, die im Ausland gelernt haben, sind mittlerweile zurück in ihre Heimatstädte gezogen und bieten eine moderne Fusion-Küche aus baltischen, saisonalen Gerichten an. Das Baltikum wird kulinarisch oft unterschätzt, dabei kann man dort wirklich leckere Gerichte auf einem sehr hohen Niveau essen. Mittlerweile sieht man auch viele Michelin-Restaurants mit fairen Preisen. 


Die berühmte „Pink Soup“ von Vilnius

Vilnius ist besonders stolz auf seine „pinke Suppe“: der eigentliche Name der Suppe lautet Šaltibarščiai = übersetzt: kalte rote Beete – aber jeder nennt die Suppe „Pink Soup“. Die kalte Suppe aus roter Beete, Kefir, Gurke, Dill, Frühlingszwiebeln und einem hartgekochten Ei klingt und sieht auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich aus, schmeckt aber erstaunlich leicht und erfrischend und ist das perfekte Gericht für warme Sommertage. Für mich ist die Pink Soup direkt zu einer meiner Lieblingssommersuppen geworden – ich habe mir sofort das Rezept organisiert und koche sie jetzt auch zuhause regelmäßig. Die Suppe ist zwar in ganz Litauen beliebt, aber besonders in Vilnius gehört sie fest zum Kulturgut der Stadt und jedes Jahr wird Ende Mai sogar ein Festival zu Ehren der pinken Suppe gefeiert und die ganze Stadt leuchtet in pink.


Die Kurische Nehrung – Natur, die sprachlos macht

Ein absolutes Highlight für mich war die Kurische Nehrung. Hier war ich zum ersten Mal – und ehrlich gesagt hat mich die Nahrung total überrascht. Auf Fotos und Videos wirkt die Landschaft zwar schon schön, aber kein Foto kommt dem nahe, wenn man sie in Wirklichkeit sieht. Die Atmosphäre, die Weite und Ruhe der Nehrung, die Mischung der Landschaften (dichte Urwälder, kilometerlange Sandstrände, riesige Dünen und daneben die Ostsee) haben mich direkt in ihren Bann gezogen. Es ist ein ganz besonderer Ort, den man selbst gesehen und erlebt haben muss, um ihn zu verstehen. 


Liepāja und die Spuren der Sowjetzeit

Weiter ging es nach Liepāja in Lettland, schon damals einer meiner Lieblingsorte mit einem der schönsten Sandstrände im ganzen Baltikum. Besonders spannend war unser Besuch im Stadtteil Karosta, wo sich während der Sowjetzeit ein Kriegshafen befand. Noch heute kann man in Karosta fast überall noch ehemalige sowjetische Bauwerke sehen – teilweise verfallen, teilweise noch gut in Takt. Sehr sehenswert sind die Ziemeļu forti, die Festungsanlagen, welche Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurden, um den Marinestützpunkt zu schützen. Direkt an der Küste wurden damals Bunkeranlagen für die Soldaten gebaut, welche heute zerfallen und teilweise im Meer liegen. Ein faszinierender Lost Place! Die Nord-Festung, oder Festungsbatterie Nr. 1, ist der bekannteste und eindrucksvollste Teil der Festungsanlage, teilweise sind diese mit tollen Graffitis besprüht.


Riga – eine Stadt voller Erinnerungen

Unser letzter Stopp war Riga – ein besonders emotionaler Teil der Reise für mich, da ich hier einmal gelebt habe und die Stadt sich bis heute wie ein zweites Zuhause anfühlt. Manche Orte verlieren mit der Zeit ihren Zauber – Riga definitiv nicht!


Jugendstil, Hansegeschichte und das Katzenhaus

Bei einer Stadtführung haben wir das Jugendstilviertel mit seiner faszinierenden Architektur sowie das Lettische Nationalmuseum für Kunst besucht – allein das Gebäude beeindruckte mich schon. Im Museum werden in mehreren Stockwerken Kunstwerke aus mehreren Epochen ausgestellt. Die Kollektion umfasst mehr als 52.000 Werke lettischer, baltischer und russischer Künstler, welche in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden. Auch der Einfluss der Hanse, welcher Riga 1282 beitrat, ist auch heute noch überall sichtbar. Besonders in der Altstadt kann man durch kleine Details an den Häusern einen Einblick in das Leben der Menschen der vergangenen Jahrhunderte bekommen. Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die des sogenannten Katzenhauses, welches gegenüber der Großen Gilde steht: Der Besitzer des Hauses war verärgert, da er nicht in die Große Gilde aufgenommen wurde – also stelle er auf dem Dach seines Hauses Katzenfiguren auf und richtete sie so aus, dass deren Hinterteile demonstrativ auf die Gilde zeigten. Erst als der Streit beigelegt und er in der Gilde aufgenommen wurde, drehte man die Katzen um. So sieht man Sie heute noch. 


Warum mich das Baltikum immer wieder zurückzieht

Unsere Zeit im Baltikum war wunderschön! Besonders die Gastfreundschaft der Balten beeindruckt mich jedes Mal. Gleichzeitig ist die Region viel moderner und vielseitiger, als viele erwarten würden. Zwischen den historischen Städten mit Überbleibseln der Sowjetunion, der wunderschönen, vielfältigen Natur, den unglaublich interessanten Menschen und den leckeren baltischen Gerichten gibt es dort unglaublich viel zu entdecken – und genau deshalb zieht es mich immer wieder zurück. 

Blog Michel

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